Die Welt, 26. Mai 2006

Als Cellistin Laura Wiek, die seit 1999 von Live Music Now gefördert wird, über ihre Erlebnisse bei dem engagierten Verein sprach, hatte das Jahreskonzert des Förderkreises im Forum der Hochschule für Musik und Theater wohl seinen emotionalen Höhepunkt erreicht. Die rund 300 Gäste, die von Vorstandsmitglied Dr. Renate Hagenberg begrüßt wurden, waren gerührt - und wie immer begeistert von der hohen künstlerischen Kompetenz der jungen Musiker. Live Music Now (gegründet von Yehudi Menuhin) bringt Menschen, die nicht in Konzertsäle gehen können, Musik näher und fördert junge Talente.

Stader Tagesblatt, 27. Januar 2006

Musik  lässt Leiden vergessen

Verein macht es möglich: Hochbegabte Musiker spielen für alte Menschen in Heimen

Stade (kal). "Dann denkt man nicht immer an seine Gebrechen", sagt Anita Ennutat. Die 88-jährige Bewohnerin des Jung-Stiftes in Stade besucht einmal im Monat ein klassisches Konzert auf hohem Niveau - im Speisesaal des Altenheimes. Der Verein "Yehudi Menuhin - Live Music Now" (siehe unten) macht es möglich.

Musik für Klavier und Violoncello ist an diesem Nachmittag zu hören. Mit ihrem Gehwagen zählt Anita Ennulat noch zu den Rüstigeren im knapp vierzigköpfigen Publikum. Viele sitzen im Rollstuhl, eine Frau liegt im Bett. Manche haben Töchter an ihrer Seite. "ich richte mir die Besuche so ein, dass wir das Konzert gemeinsam genießen können", sagt Ursula Neumeister. Mutter Elisabeth Eggers (86) stimmt zu: "Das Lassen wir nicht sausen." Sie wollte früher selbst einmal Musik studieren.

Die Pianistin Sofja Gülbadamova und Cellist Mikhail Tolpygo, die beide aus Moskau stammen, studieren an der Hochschule Lübeck. In schwarzer Spitze und mit akzentfreiem Deutsch kündigt die 24-Jährige ein "sehr romantisches Programm" an und schwärmt von den "schönen Liedern".

Das junge Duo präsentiert meisterhaft und hingebungsvoll überwiegend melancholisch-getragene Stücke unter anderem von Gabriel Fauré, Max Bruch und Claude Débussy. "Musik basiert grundsätzlich auf Liebe", sagt die Pianistin, als sie die Zugabe vorstellt: den "Liebesgruß" (Salut d'amour) von Edward Elgar.

"Die haben mit ganzer Seele gespielt", meint Rosemarie Jahnke-Gollub (70). Pflegedienstleiterin Sigrid Prigge wundert sich über das konzentrierte Zuhören. "Es ist erstaunlich, wie Musik die Menschen erreicht", ist sie begeistert. "Auch Demente, die innerlich unruhig sind, werden während des Konzertes ruhig und entspannt."

Die bettlägerige Frau hat zwar während der Moderation immer geröchelt. "Sie mag das Reden nicht", sagt Birgit Lahn vom Personal, aber Musik sei für sie etwas ganz Besonderes. Sofja Gülbadamova hat das nicht gestört. Bei "Live Music Now" habe sie gelernt, mit ganz anderen Reaktionen, etwa von Behinderten, umzugehen, sagt die Studentin. Anschließend steht ein Auftritt in einer psychsomatischen Klinik in Tötensen auf dem Programm und hinterher nimmt sie den Zug nach Paris, wo sie studiert.

Musik: Heilende Kraft und Trösterin

Seit 1999 organisiert Dorothea von Xylander als Mitglied des Hamburger Vereins "Yehudi Menuhin - Live Music Now" ehrenamtlich Konzerte. Die Freude, die die Musik vermittele, wolle sie auch zu Menschen bringen, die nicht in Konzerte gehen können. "Es ist unvorstellbar, was Musik bewirkt", sagt die Organistin aus Horneburg: Für Gefangene, Behinderte und Kranke sei sie heilende Kraft und Trösterin.

Der berühmte Namensgeber, der die Organisation 1977 in England ins Leben rief, wollte auch den Nachwuchs fördern. Darum werden Musik-Studenten für die Auftritte ausgewählt.

BILD, 2006

Strauß-Walzer für die Mörder

BILD besuchte ein Konzert für Schwerverbrecher in Santa Fu

Ein Konzert hinter Gittern. Ein musikalischer Nachmittag für Schwerverbrecher. Haus II der JVA Fuhlsbüttel, der "Hochsicher heitstrakt", 220 Schwerverbrecher. Hier haben zwei Musikstudenten 38 meist zu lebenslänglich verurteilte Männer unterhalten. Ich war mit Fotograf Krafft Angerer dabei. Viele Leser werden sich jetzt fragen: Müssen Mörder mit Live-Musik erfreut werden? Andere dagegen haben die Überzeugung: Solche Impulse von außen sind für die Resozialisierung wichtig.

Wie kommt es überhaupt zu solch einem Konzert? Die Musiker Lasse Fankhänel (Trompete) und Wolfram Maria Märlich (Pianist) werden beide von der Organisation "Live Music Now", kurz: "LMN" gefördert. "LMN" wurde 1977 von dem berühmten englischen Geiger Yehudi Menuhin (t 1999) gegründet. Die Organisation veranstaltet Konzerte u. a. in Altenheimen, Behinderten-Einrichtungen, Hospizen und zum 6. Mal jetzt auch im Knast.

Der Konzertsaal" wirkt wie eine Schulaula. Holz-Stühle sind in mehreren Reihen aufgestellt. Auf der Bühne steht ein Klavier. Aber in den Deckenleisten sehen versteckte Kameras alles. Musiker Märlich hat Medleys aus Oper, Operette, Musical und Filmmusiken zusammengestellt. Der Trompeter verrät hinterher. "Am Anfang war ich irritiert. Da sitzen krasse Typen, du guckst denen in die Gesichter und denkst: ,Was hat der wohl gemacht?' Und die denken wahrscheinlich: ,Was stehen denn da für Püppchen auf de; Bühne?"' Es gibt keine Gitter. Zwei Sicherheitsbeamte passen im hinteren Teil auf. Die meisten Zuhörer sind begeistert, klatschen zwei Zugaben herbei. "Summertime" und "Der Clou". Dieter G. (45), blonde Mähne, ist schon seit 20 Jahren im Knast. Er formuliert unerwartet poetisch, warum für ihn solehe Nachmittage wichtig sind- Sie liefern Impulse und öffnen das Herz. Sven B. (40), Ex-Bürokaufmann, sehr höflich, betreut die Gefangenen-Zeitung. Er ist seit neun Jahren in Haft. Dass dieser nette Mann eine alte Dame zu Tode stranguliert hat, ist verstörend. B. sagt: "Die Tendenz, geistig und emotional zu verwahrlosen, ist im Knast groß." Und: "Viele leiden an innerer Resignation denken, das Leben hat doch keinen Sinn. Um 17.30 Uhr müssen auch diese beiden in ihre Zellen zurück. Endlich Wieder draußen, atmen nicht nur die Musiker tief durch...

Die Welt, 10. Oktober 2005

Künstler berührten das Herz 

Das Hospiz Hamburg Leuchtfeuer und die Organisation Yehudi Menuhin Live Music Now, LMN, baten Sonnabend anläßlich des 1. Welt-Hospiz-Tages zum Benefizkonzert mit Lesung in den Michel. Es war ein großer Erfolg. Knapp 18 000 Euro kamen zusammen für das Hospiz und die von Menhuhin gegründete Live Music Now. Alle, die dabei waren, zeigten sich unglaublich berührt von den Darbietungen der jungen, hochbegabten Musiker, die von Yehudi Menuhin Live Music Now gefördert werden und die dafür im Gegenzug in Krankenhäusern, Hospizen und Altenheimen Konzerte geben. Auch die Lesung der Schauspielerinnen Mareike Carrière und Daniela Ziegler sowie von NDR-Moderator Dr. Martin Wilhelmi gingen unter die Haut. Gestern nachmittag gab es auch ein kleines LMN-Konzert für die Leuchtfeuer-Hospiz-Bewohner.

Hamburg Abendblatt, 10. Oktober 2005

Ein Abend für den Hospiz-Gedanken
von Sabine Minkwitz

Das Wichtigste vorab: Das Benefizkonzert anläßlich des ersten Welt-Hospiz-Tages im sehr gut besuchten Michel war ein Erfolg. Für die beiden Gastgeber des stimmungsvollen Abends, Hamburg Leuchtfeuer und "Yehudi Menuhin Live Music Now", kamen 18 000 Euro an Spendengeldern zusammen. "Wir sind sehr zufrieden", sagte Mit-Organisatorin Jana Schwarz.

Nach dem Grußwort von Bischöfin Maria Jepsen spielten die jungen Musiker der Organisation des unvergessenen Geigers Yehudi Menuhin Werke von Christoph Willibald Gluck und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Als im Anschluß die Schauspielerin Daniela Ziegler "Der selbstsüchtige Riese" von Oscar Wilde vorlas, waren nicht wenige der rund 1200 Zuhörer ergriffen von der poetisch-melancholischen Fabel über Einsamkeit und Nächstenliebe. "Ich selbst mußte bei den Proben immer wieder schlucken", so Daniela Ziegler, die zur Zeit in Italien dreht. Doch für Hamburg Leuchtfeuer engagiert sie sich gern. "Das ist mir ein absolutes Herzensanliegen." Auch Schauspielkollegin Mareike Carrière, die sich seit Jahren für Leuchtfeuer einsetzt, verzichtete auf Gage und las "Das

Geschenk der Weisen" von 0. Henry vor. "Mir ist es wichtig, viele Menschen auf den Hospiz-Gedanken zu bringen." Das war das Außergewöhnliche des Michel-Abends: Um gemeinsam auf die Hospizarbeit aufmerksam zu machen, begannen auf der ganzen Welt zeitgleich Benefizkonzerte. Nach mitteleuropäischer Zeit um 19.30 Uhr, in Sydney um 10.30 Uhr, in Tokio um 11.30 Uhr, um 1.30 Uhr morgens in New York.

Engagiert bei "Yehudi Menuhin Live Musik Now" ist Christina von der Recke mit ihrer Familie. "Unsere Stiftung unterstützt zum einen Nachwuchsmusiker und macht zum anderen Musik für Menschen, die nicht in Konzerte gehen. So treten wir in Altenheimen oder Hospizen auf."

Unter den Spendern: Dorothee von Unruh (Unicef), Christa Kremser (Bleichenhof).

Benefizkonzert auf CD

Ein Live-Mitschnitt des Benefizkonzerts anläßlich des Welt-Hospiz-Tages im Michel ist ab sofort in allen Thalia-Buchhandlungen und im Internet unter www.vitaphon.de erhältlich. Von den 9,80 Euro Verkaufspreis der CD mit klassischen Stücken gehen 1,50 Euro an das Hospiz Hamburg Leuchtfeuer. (ug) 

Zeitschrift für Bewohner und Freunde des Hospitals zum Heiligen Geist, Mai 2005

Frühlingsklänge in unseren Häusern
Musikstudenten musizieren für unsere Bewohner

von Magrit Kruse

»Im Prater blühen wieder die Bäume .... denn Frühling ist wieder in Wien!« Nicht nur in Wien, auch bei uns im Hospital stehen die Bäume in voller Blüte. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Bewohner aus Haus 0 leise mitsummten, als Isabell-Catherine Vilmar dies Lied mit ihrer schönen Sopranstimme anstimmte. Gemeinsam mit Werena Popow am Klavier gab sie ein kleines Konzert für die Bewohner. Musikstudenten singen und musizieren für die Bewohner direkt in den Häusern, um auch denjenigen eine Freude zu machen, die unsere Veranstaltungen im Festsaal nicht mehr besuchen können.

»Musik stimmt heiter«, das ist das diesjährige Motto für die Spendenaktionen der Curator-Stiftung. Und so stimmte der Stiftungsrat der Finanzierung dieser Konzerte gerne zu. Einen herzlichen Dank an unsere Spender und an die Organisation Yehudi Menuhin Live Music Now, die die Künstler engagiert und sich auch mit der Hälfte an den Kosten beteiligt.

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