Journal pflegen & wohnen Moosberg 3 Hamburg, März 2008

Toll fanden sie diesen Vormittag, da waren sich Kinder und Senioren einig. Die Kleinen hatten Spaß an den Liedern zum Mitmachen, die Großen erfreuten sich an dem munteren Treiben zu schönen Klängen. „Die Tierwelt in klassischer Musik gemeinsam erleben“ lautete das Motto des besonderen Konzerts im Senioren Centrum Moosberg.

 

Der Verein  „Live Music Now" von Yehudi Menuhin hatte das Konzert organisiert. Im Pavillon des Senioren Centrums Moosberg hatten sich über 30 Bewohner versammelt. Zu ihren Füßen nahmen die kleinen Besucher Platz: 17 Kindergartenkinder des TSG Bergedorf, mit dem seit langem ein enger Kontakt besteht. Alle sechs Wochen sind die Kinder zu Gast, um gemeinsam mit den Senioren zu spielen und zu basteln, Singtänze aufzuführen oder Theaterveranstaltungen zu erleben. Klassische Musik hatte es bisher noch nicht gegeben. Das Programm war liebevoll auf die großen und kleinen Zuschauer abgestimmt. Gespielt auf Mandoline und Klavier wurden bekannte Stücke großer Komponisten vorgetragen, zu denen nicht nur Musikkenner schnell Zugang fanden. Der „Tanzbär" und „Die kleine Elfe" von Strauß waren ebenso vertreten wie Robert Schumanns „Wilder Reiter" und Tschaikowskys „Tanz der Zuckerfee". Mit Bewegungen, Händeklatschen und einer „Tausendfüssler-Polonaise" am Schluss wurden die 3­bis 5-Jährigen unmittelbar in Rhythmus und Themen der Stücke einbezogen. Den Senioren boten sich damit zwei Vorstellungen in einer - wenn das kein Erfolg ist. „Kommt jederzeit gerne wieder!" hieß es am Ende. Und das bezog sich sowohl auf die engagierten Musiker als auch auf die fröhlichen Kinder.

alsterdorf, Magazin der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, 05. März 2008

Klänge, die verändern können

Live Music Now bei jungen verhaltensauffälligen Patienten im Werner Otto Institut

Die zehnjährige Leonie singt im Schul­chor, auf der Straße und im Auto - auch wenn ihre Eltern darauf manchmal etwas genervt reagieren - und sie hat eine reichhaltige CD-Sammlung. Nicht alle Patientin­nen und Patienten im Werner Otto Institut (WOI) sind der Musik so zugetan wie Leo­nie. Aber die meisten von ihnen sind doch berührt, wenn der Klang der Musik wäh­rend ihres Aufenthalts im WOI zu ihnen nach Alsterdorf kommt.

 

Musik ist in die­sem Fall der mehrmals jährlich erfolgende Auftritt von angehenden Berufsmusikern ­des Vereins Live Music Now - in Konzertkleidung und mit Klavier, Cello, Klarinette, Mandoline und Posaune. Dahinter steckt die Idee des weltberühm­ten Geigers Yehudi Menuhin, Menschen in sozialen Einrichtungen kostenlose Konzer­te zu ermöglichen und den jungen Musi­kern zu Spielerfahrung vor einem Publikum zu verhelfen.

 

„Die Auftritte im WOI sind immer etwas ganz Besonderes, denn man kann zusehen, wie sich die anfangs doch sehr wuselige Situation Ton für Fotn entspannt“, sagt Iris von Hänisch, Hamburger Vor­standsvorsitzende von Live Music Now. Und ihre Vereinskollegin Ingeborg Laabs lobt die Gruppendynamik zwischen Kin­dern, Eltern, Therapeuten und Musikern, beispielsweise wenn die Kinder am Schluss eines Konzertes einmal selbst die Posaune ausprobieren dürfen oder ein Kind im Roll­stuhl an das Klavier geschoben wird und »Schneeflöckchen, Weißröckchen« in die Tasten schlägt.

 

Vor jedem Konzert bauen Constance Mierisch, pflegerische Leitung der Station 12, und ihre Kollegen das große Spielzim­mer des WOI zu einer Kuschellandschaft um. »Ein Anliegen ist ja, den Eltern Anre­gungen zu geben, wie sie es sich auch zu Hause mit ihrem Kind gut gehen lassen können«, sagt Mierisch. Das ist Teil des therapeutischen Konzepts im WOI, denn viele Kinder sind hyperaktiv oder verwei­gern das Sprechen. Andere leiden unter einer Verzögerung der Entwicklung oder die Eltern vermuten, dass ihre Kinder auti­stisch sind. Schwierigkeiten, die in Familie und Schule oft eisiges Schweigen, heftigen Streit oder gar Kontaktlosigkeit zur Folge haben - für alle Beteiligten ein großes Leid.

 

In der Regel sind die kleinen Patienten, vom Babyalter bis zur Pubertät, drei bis fünf Wochen im WOI - zusammen mit ihren Eltern, um gemeinsam ein Verhalten zu lernen, das die Situation in Familie und Schule entspannen hilft. Die Musik ist ein Baustein der Behandlung. Jeden Mittwoch wird beispielsweise gemeinsam mit Kin­dergitarren, Rasseln, Trommeln und Trian­geln musiziert. Nicht auf dem hohen Ni­veau von Live Music Now, aber doch mit viel Engagement und Freude. 

 

»Schade nur,« sagt Constance Mielisch, »dass die Musiktherapie nicht mehr gesponsert wird.« So bleibt es im WOI bei der Musikrunde am Mittwoch und den Auftritten von Live Music Now. Aber vielleicht genügt auch das, damit neue Klänge Eingang in die Gefühlswelt der zehnjährigen Leonie und ihrer Familie finden. 

Hamburger Klönschnack, Januar 2008

KLASSIK ÜBER ALLE BARRIEREN

Musik gegen das Leid

Iris von Hänisch ist Vorsitzende des Yehudi Menuhin Live Music Now Hamburg e.V. Der Verein bringt Nachwuchsmusiker auf die Bühne  in Krankenhäusern und Gefängnissen.

 

Der Morgen beginnt für Iris von Hänisch vor dem Computer. Der will nicht so recht passen in das gemütliche, hinter einem großen Garten gelegene Einfamilienhaus in der Anne­Frank-Straße, aber es bleibt keine Wahl. Konzerte müssen organisiert, Anfragen beantwortet, Flyer formuliert werden.Seit 1999 ist Iris vonHänisch im Vorstand des Yehudi Menuhin Live Music Now e.V.(LMN), einem Verein, der hoch begabte Nachwuchsmusiker auf „handfeste" Weise fördert.Nachdem potentielle Stipendiaten das Auswahlverfahren in der Hochschule für Musik und Theater überstanden haben, schickt sie LMN auf die Bühne  in Krankenhäusern, Behindertenschulen, Haftanstalten und Altenheimen. Hier sollen die erreicht werden, die sonst nicht in den Genuss klassischer Musik kommen.

 

„Eine Win-win-Situation", sagt Iris von Hänisch. Die Musiker profitierten von der Bühnenerfahrung, der Gage und Einblicken in die emotionale Kraft der Musik.

 

Der Verein folgt damit Yehudi Menuhin (1916-1999), der die heilende Wirkung schöner Klänge erkannte und bei der Gründung des Ur-Vereins 1977 in London formulierte: „Musik ist, unter all den großen Künsten, die Sprache, die am tiefsten in den menschlichen Geist eindringt."

 

Dem kann Iris von Hänisch nur zustimmen. Musik zieht sich wie ein Faden durch das Leben der 1939 geborenen Blankeneserin. Als Kind erhielt sie Klavierunterricht, dies aber nur als Zugeständnis an bürgerliche Traditionen. Ihren eigenen Wunsch, das Cello, lehnte der Vater ab. Er schickte seine älteste Tochter ins Ausland zum Sprachenlernen Erst nach der Hochzeit mit Rüdiger von Hänisch einem selbstständigen Immobilienverwalter, der während des morgendlichen Besuchs bereitwillig Kaffee kocht, Briefe kopiert und den Bericht seiner Frau mit humorvollen Bemerkungen ergänzt, konnte Iris von Hänisch eigenen Neigungen folgen. Sie begann Cello zu spielen und nahm mit 40 ein Musikstudium auf. Parallel hierzu widmete sie sich der musikalische Früherziehung im Kindergarten. Nach 1999 konzentrierte sie sich ganz auf ihre fünf Enkel und den Verein.

 

„Wenn ich diese Arbeit geleistet habe, bin ich erschöpft", bekennt sie. „Aber dann gehe ich in das Konzert, und es ist eine solche Freude die jungen Musiker zu erleben, wie sie versuchen alles zu geben, und zu erleben, wie das ankommt beim Publikum!"

 

Häufig kommt es zu ergreifenden Momenten. Da fängt ein alter Mann während des Konzerts an zu weinen, weil vor seinem geistigen Auge Reminiszenzen vergangener Zeiten auftauchen; oder die Schüler einer Behindertenschule versinken trotz Handicap in Streicherklängen.

 

„Eine harte Schule", bekam Iris von Hänisch einmal von einer Stipendiatin zu hören. „Aber man lernt worum es eigentlich geht."

blickpunkt-Ausgabe 4 - Dezember 2007

Konzert in Santa-Fu Haus 2
LIVE MUSIC NOW

YEHUDI MENUHIN live music now Hamburg e.V. 

In die Reihe vieler gelungener Auftritte der live music now-Gruppe reihte sich wieder ein Konzert der ganz besonderen und anrührenden Art ein - wie wir am Ende erfuhren, vorerst das letzte dieser Art. 

 

Am 28. September 2007 wurde eine junge Sängerin von ihrer ebenso bezaubernden Pianistin am Flügel begleitet und ein stimmungsvoller Ausflug in die Welt der klassischen Musik begann. Lieder großer und bekannter, aber auch weniger bekannter Komponisten, Lieder von Carl E. Zeller über Wolfgang A. -Mozart bis hin zu George Gershwin wurden in ihrer ureigenen Interpretation auf die Bühne gebracht. Der wirklich große Kirchenraum in Haus 2 wurde allein nur durch die von der Flügelmusik begleiteten Stimme der jungen Sängerin gefüllt. Die Stille unter den Gefangenen und den zahlreichen Gästen war eine Mischung aus Anrührung, Bewegtheit, Melancholie und Sehnsucht. 

 

Es sind Nachwuchskünstler, die über die live music now-Gruppe an die ungewöhnlichsten Orte gehen, es sind junge talentierte Menschen, die nicht nur ihre Instrumente vorzüglich beherrschen, sondern durch ihre sehr emotionale und sensible Ausstrahlung für jeden Zuschauer Musik erlebbar machen. Die gesam­te Breite, vom Jazz bis zur anspruchsvollen klassischen Musik bekannter und weniger bekannter Komponisten, wird ins Programm eingebaut und so entsteht für jeden einzelnen Zuschauer der unverwechselbare Eindruck an persönlichem Erleben. 

 

Es gilt beiden Künstlern, der jungen und zauberhaften Sängerin und der charmanten Pianistin der beson­dere Dank und die kaum zu beschreibende Freude für ihre zurückgelassenen Eindrücke. Die am Ende überreichte Rose sollte diesen Dank bis hinaus hinter diese Mauern tragen. Beiden war es gelungen, die Zuschauer zu fesseln - gerade in Gefangenenschaft ein besonderes Gefühl. Der andauernde Applaus, die stehenden Ovationen waren der abschließende Ausdruck dafür, dass wir uns dieses mal wieder ein­mal gerne fesseln ließen. 

 

Das Konzert der beiden jungen Menschen hat berührt, hat die Seelen und Herzen der Zuschauer gestreichelt und für vielen diese stimmungsvolle Atmosphäre bis in den Abend ein Gefühl von Entspannung geschenkt. Gefühle, die in der ansonsten strengen Gefangenenwelt eher drohen zu verkümmern. Die Stimmung der Bewegtheit trug sich bis hinter die große Kirchentür ins Hafthaus hinein. Ich habe meinen ganzen Abend mit den erlebten Eindrücken und der stillen Traurigkeit genießen können. 

 

Ich möchte den Akteuren von der YEHUDI MENUHIN live music now Hamburg e. V. ganz herzlich für ihr persönliches Engagement danken. Ohne dieses Engagement, ohne die oftmals sicher auch hürdenreiche Arbeit, wären solche Auftritte kaum vorstellbar. In vielen Konzertveranstaltungen, die wir gemeinsam mit dem Culture Club Santa Fu und der KIK - Kultur im Knast vorbereitet haben, ist gerade zu Ihnen von dem YEHUDI MENUHIN live music now Hamburg e. V. ein besonderes Verhältnis entstanden. 

 

Wir freuen uns auf jeden Fall auf einen Neubeginn.

MARKT, Ahrensburg, 18.11.2007

Konzert im Herrenhaus Eichenhof: Das Fagott mit großer Klangentfaltung

Erstmals ka­men die Besucher im Pflege­heim „Herrenhaus Eichenhof" in den Genuss, ein Fagott zu hören, dazu noch als Soloin­strument und von einem jungen Musiker, der sein Holzblasin­strument mit begeisternder Professionalität beherrscht. Der Fagottist Yavor Petkov (27) spielt mit namhaften Di­rigenten und seit mehr als drei Jahren im Philharmonischen Orchester Freiburg.

 

Im Rahmen von „live music now" des von Yehudi Menuhin gegründeten Vereins setz­te sich diese Konzertfolge als fünftes und letztes Konzert in diesem Jahr im ,.Herrenhaus Eichenhof" fort, und der jun­ge Fagottist erklärte den Be­suchern des gut gefüllten Ver­anstaltungssaals sein in der Tat bemerkenswertes Musik­instrument zum Kennenlernen als kleine Instrumentenkunde in allen Einzelheiten. Sowohl im solistischen Spiel wie auch im Ensemble ist das Fagott zu großer Klangentfal­tung fähig und lässt die Geschmeidigkeit des Tons in schlichten Melodien auf­leuchten. Beim Spiel schöpfte Petkov jeden Ton detailbe­wusst in lebendiger Differen­zierung aus. Dies konnten die Besucher schon gleich beim ersten Stück, der Sonate e-moll von Georg Philipp Tele­mann (1681-1767) erfahren. Das Fagott zeigte sich mit sei­nem vollen warmen Klang. Mit der bekannten Komposi­tion Conzertino Ungarese op.35 von Carl Maria von We­ber (178-1826) ging es weiter. Es folgten die Sonate G-Dur von Camille von Saint- Saens (1835-1921) und mit der Sonatine-Tango von Pierre-Max Duhois (19.30-1995) wechselte der Rhythmus und wurde tem­peramentvoll. Abschließend war eine Sarabande von Henri Dutilleux (geb. 1916) zu hören.

 

Petkov spielte mit der edlen Qualität seines Tons und ge­stalterischer Kraft, teilweise volksliedhaft mit witzigem Beiwerk, aber immer mit viel Gespür für Klangschönheit. Von der Pianistin Elena Bobrovskich (26) begleitet verfü­gen beide Künstler über die gegenseitige Einbindung mu­sikalischer Entwicklungen und erfreuten die Besucher mit ihrem Auftritt, die begei­stert und heftig applaudier­ten.

Hamburger Abendblatt, 5. September 2007

Dankes-Konzert

Xiaojun Huang, Violinistin, sowie die Pianistinnen Mariana Popova und Anna Vinnitskaya wie auch Zhiyan Sun, Harfinist, spielen heute, ab 19 Uhr, im Museum für Kunst und Gewerbe zugunsten des Vereins Yehudi Menuhin Live Music Now Hamburg, der 90 junge Musiker unterstützt, die Konzerte in sozialen Einrichtungen, Krankenhäusern und Altenheimen geben. Mit dem 9. Dankeskonzert bedankt sich der Vorstand mit Sibylle Voss-Andreae, bei Freunden und Förderern, darunter Opernsänger Franz Grundheber, Musikprofessor Hermann Rauhe, Professor Carsten Zornig (Israelitisches Krankenhaus).
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