PANORAMA, missler, Juni 2009

Die Kraft der Musik

Zehn Jahre Konzerte in sozialen Einrichtungen

Ein Hafenkonzert am Himmelfahrtstag vor behinderten Kindern im Mai 1990 war die erste Vorstellung des Hamburger Vereins „Yehudi Menuhin Live Music Now. Über 1500 Konzerte in sozialen Einrichtungen in Hamburg, 200 junge Musiker-Stipendiaten - so lautet die Bilanz von Iris von Hänisch, Vorsitzende des Vereins, zum zehnjährigen Jubiläum.
Der Hamburger Zweig ist Teil einer weltweiten Bewegung, die der amerikanische Geigenvirtuose Yehudi Menuhin vor 37 Jahren in England gegründet hatte. Menuhin ging davon aus, dass Musik auch therapeutisch wirkt und ließ Musikstudenten Konzerte in Krankenhäusern, Hospizen, Pflegeheimen oder auch Gefängnissen geben. Er selbst spielte bereits im Zweiten Weltkrieg in Lazaretten und später für Überlebende der Konzentrationslager.

Iris von Hänisch organisiert mit ihrem Team von 14 Mitarbeitern derzeit pro Jahr rund 180 Auftritte in 60 Häusern. Dazu gehören die Obdachloseneinrichtung Alimaus, die Schule für hörgeschädigte Kinder, das Frauengefängnis Hahnöfersand, der Altenhof Winterhude. „Hier kommt die Kraft der Musik Menschen zugute, ie aufgrund ihrer Lebensumstände nicht in Konzerte gehen können. Die Musik spendet Trost und befördert die Heilung", weiß Iris von Hänisch.
Die Konzerte werden ausschließlich ehrenamtlich organisiert, ohne Spenden von Freunden und Förderern wäre die Initiative undenkbar. Die Künstler bekommen ihr Honorar aus dem Spendentopf und finanzieren damit ihr Studium. Die derzeit 140 jungen Musikertalente kommen aus unterschiedlichsten Fächern, zumeist aus den klassischen Sparten wie Violine, Piano, Harfe und Gesang, unter den Stipendiaten ist aber auch ein Jazztrio.

Die Nachwuchskünstler, die von einer hochkarätigen Jury ausgewählt werden, sammeln hier nicht nur Konzerterfahrung. Weil sie selbst moderieren, lernen sie, Kontakt zum Publikum zu finden. Wenn sie auf Fluren, Krankenzimmern oder im Speisesaal vor Zuhörern spielen, die im Bett angerollt werden oder in Rollstühlen sitzen, machen sie viele außergewöhnliche und bewegende Erfahrungen, genauso bewegend wie die Musik meist für die Zuhörer ist.

DIE WELT, 09.02.2009

Ein Jahrzehnt für die Musik

Der Förderverein für junge Musiker, Yehudi Menuhin Live Music Now (LMN), feierte gestern seinen zehnten Geburtstag mit einem Jubiläumskonzert im Winterhuder Fährhaus. Es musizierten Stipendiaten aus zehn Jahren LMN-Förderung vor ausverkauftem Haus. Darunter der namhafte Cellist Johannes Moser, der 2008 mit dem Echo Klassik ausgezeichnet wurde und der mit Werken von Bach und Lutoslawski begeisterte. Zwar war Kultursenatorin Karin von Welck verhindert - sie war für den Hamburger Filmbrunch nach Berlin gereist -, aber dafür kamen viele hochkarätige Gäste und Musikliebhaber. Zamira Menuhin-Benthall, Tochter des Gründers Yehudi Menuhin, war ebenso dabei wie Prof. Elmar Lampson, Präsident der Hambur­ger Hochschule für Musik und Theater, sowie der Ehrenpräsident der Hochschule, Prof. Dr. Dr. Hermann Rauhe. Der bekannte Kammersänger Franz Grundheber war zwar eigentlich nicht im Programm eingeplant, steuerte aber spontan ein Geburtstagsständchen bei: Trotz Heiserkeit und mit sehr viel Witz sang er Erwin Zillingers „Der Bohrwurm und der Ohrwurm". In den zehn Jahren seiner Tätigkeit hat der Verein LMN 1500 Konzerte in sozialen Einrichtungen organisiert und 200 Nachwuchsmusiker unterstützt.

Hamburger Abendblatt, 31.Januar 2009

YEHUDI MENUHIN - das große Jubiläumskonzert mit Stipendiaten

Zur Feier der zehnjährigen Erfolgsgeschichte des Fördervereins für junge Musiker, Yehudi Menuhin Live Music Now Hamburg e. V. (LMN), findet am 8. Februar um 11 Uhr ein großes Jubiläumskonzert in der Komödie Winterhuder Fährhaus statt.

 

Musizieren wird eine Auswahl herausragender Künstler aus zehn Jahren LMN-Förderung in Hamburg, darunter der inzwischen namhafte Cellist Johannes Moser, der gerade mit dem renommierten „Echo-Klassik-Preis 2008" ausgezeichnet wurde.

 

Die Jubiläumsveranstaltung steht unter der Schirmherrschaft des Ersten Bürgermeisters Ole von Beust. Als Gäste werden Kultursenatorin Prof. Karin von Welck genauso wie Zamira Menuhin-Benthall, Tochter des Gründers und Schirmherrin von LMN Deutschland, erwartet. Kammersänger Franz Grundheber hat ein Geburtstagsständchen angekündigt.

 

Da Yehudi Menuhin stets auch ein Herz für die Bedürftigen in unserer Welt hatte und ihm gleichzeitig die Förderung junger, talentierter Künstler am Herzen lag, verband er diese beiden Anliegen 1977 in England mit der Gründung seiner gemeinnützigen Organisation Live Music Now: Ihre Mitglieder organisieren eintrittsfreie Konzerte in Altenheimen, Krankenhäusern, Gefängnissen u. a., deren Bewohner keine Konzerte besuchen können.

 

„Und die stolze Bilanz von jetzt zehn Jahren Live Music Now Hamburg e. V: über 1500 Konzerte in unterschiedlichen sozialen Einrichtungen und an die 200 junge Musiker-Stipendiaten", berichtet Iris von Haenisch, heute Vorsitzende und eines der Gründungsmitglieder. „Aktuell werden 120 aufstrebende junge Musiker unterstützt, die etwa 200 Konzerte pro Jahr in 55 Häusern in und um Hamburg geben", so Iris von Haenisch.

 

Beim Jubiläumskonzert spielen neben Johannes Moser (Johann S. Bach und Witold Lutoslawski), auch frühere LMN-Stipendiaten, so Anke Dill und Jakob Leuschner (u. a. Schubert) sowie aktuell geförderte, die Klarinettisten Maxim Wolgin, Boglarka Pecze und Shelly Ezra. Es singt Tatjana Charalgina Mozart und Rossini-Arien.

Abendblatt, 31.Januar 2009

Renate Schneider über Yehudi Menuhin und die große Bedeutung der Musik

 

"Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen", sagte Yehudi Menuhin, einer der größten Geigenvirtuosen des 20. Jahrhunderts. Ein wunderbarer Mensch. Ich habe ihn noch wenige Monate vor seinem Tod bei einem Konzert in Hamburg erleben dürfen. Und er hat mich tief beeindruckt in seiner Demut und Bescheidenheit. 1916 in New York geboren, gab der hochbegabte Junge bereits 1925 sein erstes Solokonzert. Mit zwölf Jahren erreichte er seinen Durchbruch mit dem „Konzert der drei B" (Violinkonzerte von Bach, Brahms, Beethoven) und den Berliner Philharmonikern. Sein Leben lang bemühte er sich mit Förderprojekten und Stiftungen, vor allem junge Menschen an die Musik heranzuführen. Er schrieb Musik-Wettbewerbe aus und gründete 1977 in England die gemeinnützige Organisation „Live Music Now". Am 8. Februar feiert die Hamburger Organisation ihr zehnjähriges Bestehen mit einem großen Jubiläumskonzert, das man sich nicht entgehen lassen sollte. „Einige sagen", so Menuhin, „man könne ohne Musik leben. Aber das ist nicht so. Ich sage immer, von einer Musikschule kommen gewöhnlich keine Kriminellen."

Hamburger Abendblatt, 7./ 8. Februar 2009

Zum 10. Geburtstag Konzert mit Stipendiaten

Mehr als 1500 Konzerte in sozialen Einrichtungen in und um Hamburg, fast 200 junge Musiker-Stipendiaten: Das ist die stolze Bilanz von zehn Jahren Live Music Now (LMN) in Hamburg. Die vor gut 30 Jahren von Yehudi Menuhin gegründete, inzwischen europaweit arbeitende Organisation bringt Musik zu Menschen, die sonst nicht in Konzerte gehen können. Wie überall fördert auch LMN Hamburg begabte Nachwuchsmusiker. Etwa Cellist Johannes Moser, der sich längst einen Namen gemacht hat. Er gehört zu den ehemaligen Stipendiaten, die beim großen Jubiläumskonzert zum 10. Geburtstag des Fördervereins mitwirken.

für HAMBURG, MAGAZIN VON UNTERNEHMERN FÜR UNTERNEHMER, Ausgabe 04/2008

MUSIKALISCHES ENGAGEMENT:
DER YEHUDI MENUHIN LIVE Music Now HAMBURG E.V.

Die beiden jungen Musiker, der Marimbaphon-Spieler Sönke Schreiber, und seine Begleiterin am Klavier, Elizaveta Ilina, sind sich einig: „Die größte Erfahrung war wohl das Konzert im Frauengefängnis." Vor diesem Auftritt waren sie richtig aufgeregt. Einschüchternd schon die schier endlosen Kontrollen: „Wir- dachten, das wird kompliziert', rekapituliert die Pianistin. Doch ganz im Gegenteil: An die 20 Zuhörerinnen kamen und „welch' schöne Überraschung, dass es so locker und die Atmosphäre so freundlich war" 

Das Konzert von Sönke Schreiber und Elizaveta Ilina in der Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand wurde organisiert von dem Yehudi Menuhin Live Music Now Hamburg e.V. (LMN) Der Förderverein hat eine doppelte Zielvorgabe: Er unterstützt Musikstudenten wie Sönke und Elizaveta, die dafür vor einem Publikum spielen, dem es sonst nicht möglich wäre, vor allem klassische Musik live zu erleben. 

So war die Haftanstalt ungefähr der 15. ungewöhnliche Spielort für die beiden Studenten der Hochschule für Musik und Theater Hamburg im Laufe ihres ersten Jahres bei LMN. Die Stipendiaten des Hamburger Vereins haben in Altenheimen gespielt, für geistig und körperlich behinderte Kinder oder in der Schule für Hörgeschädigte. 

Gegründet wurde Live Music Now vor gut 30 Jahren in England von dem Namen gebenden, legendären Geiger Yehudi Menuhin. Der 1999 während einer Tournee in Berlin verstorbene Virtuose hatte die Idee. die heilende und tröstende Kraft der Musik zu nutzen und sie aus den Konzertsälen heraus, an Orte zu holen, an denen sonst keine Musik erklingt. 

1992 kam LMN nach Deutschland. Der Hamburger Verein Live Music Now feiert 2009 sein zehnjähriges Bestehen! Was in der Hansestadt mit zarten Anfängen gegen Ende des vorigen Jahrhunderts begann, bedeutet heute an die 200 Konzerte im Jahr in 65 Spielstätten, von Altenheimen zu Behindertenstätten, von Krankenhäusern über Hospize zu Haftanstalten. Gefördert werden aktuell insgesamt 110 junge Stipendiaten, unter ihnen Sänger, Blech- und Holzbläser, mehrere Harfenisten, Violinisten, Cellisten, natürlich Pianisten, ob als Begleitung oder im Ensemble, ein Jazz­Trio und Solisten, die ungewöhnlichere Instrumente spielen wie Akkordeon, Mandoline und nicht zuletzt das Marimbaphon. 

Welche Musiker wann und wo eingesetzt werden, entscheiden die Mitglieder des Hamburger Teams von LMN. Die rund ein Dutzend ehrenamtlichen Mitarbeiter unter der Leitung der Vorsitzenden Iris von Haenisch kennen „ihre" Institutionen, für die sie Konzerte organisieren und versuchen, passende Musik zu finden.

Dennoch: „Bei jedem Konzert ist es anders, neu. Wir gehen rein und wissen nicht, was wir erwarten können", so Elizaveta Ilina. „In der Schule für Hörgeschädigte mussten wir etwas spielen, wo sie mitklatschen können." Beliebt ist da der „Säbeltanz" von Aram Khatchaturian, bei dem die bis zu vier Schlagstöcke nur so über die „Tasten" des Marimbaphons galoppieren. In Hahnöfersand durfte es jazziger werden, dort haben sie auch die neu einstudierte „Rhapsodie in Blue" von Gershwin aufgeführt. 

Zum Konzept von LMN gehört, dass die Musiker ihr selbst zusammengestelltes Programm nicht nur herunterspielen, die Stipendiaten moderieren ihre Konzerte selber und sprechen im Anschluss gerne mit dem Publikum und zeigen ihre Instrimente.

So sind jugendliche wie ältere Zuhörer immer wieder neugierig auf das Marimbaphon, das aussieht wie ein überdimensionales Xylophon auf Füßen mit darunter hängenden Röhren. Das Schlaginstrument stammt aus Afrika und wurde in Zentralamerika zu dem entwickelt, was es heute ist Die Aluminiumröhren waren ursprünglich ausgehöhlte Flaschenkürbisse. 

Der 29-jährige gebürtige Hannoveraner Sönke Schreiber erklärt gerne und geduldig immer wieder sein Instrument, lässt die Zuhörer die Stöcke in die Hand nehmen und auch mal auf die Holzklangstäbe schlagen. Die Moderation übernimmt bei dem Duo meistens Elizaveta Ilina. Die 22-jährige Petersburgerin spricht akzentfrei deutsch und kann geradezu „lieblich und sehr animiert durch das Programm führen", erzählt die Vorsitzende Iris von Haenisch. 

Somit lernen die jungen Musiker nicht nur vor unterschiedlichem Publikum, mal vielen, mal wenigen Zuhörern zu spielen, sondern sie üben sich auch in der Moderation. Da viele der Stipendiaten aus dem Ausland kommen, bedeutet das für sie gleichzeitig eine kleine Herausforderung an ihre Deutschkenntnisse. Falls es denn an der Sprache hapern sollte, springt die Begleitperson von LMN ein und hilft bei der Moderation. 

Die Kombination Marimbaphon-Klavier ist eher ungewöhnlich. Ehrlich gesteht das Duo Schreiber/Ilina, dass sie sich eher spontan vor gut einem Jahr zusammenfanden. Sie wollten gerne gemeinsam musizieren. Da kam ihnen die alljährlich stattfindende Audition von Live Music Now Hamburg an der Hochschule für Musik und Theater am Harvestehuder Weg gerade recht. Wie ihnen geht es vielen der jungen Bewerber, die unter 30 Jahre alt sein sollten. Die meisten studieren an der Hamburger Hochschule, einzelne in Lübeck oder sogar in Hannover. Sie möchten gerne Konzerterfahrung sammeln. Dann hören sie von der Chance, dass sie sich bei LMN noch dazu finanziell fördern lassen können. Sie tun sich als Duo,Trio oder Quartett zusammen und üben ein 30-minütiges Programm ein. 

Die finanziellen Mittel zur Unterstützung der Musiker sammelt Live Music Now Hamburg durch Freunde und Förderer, die entweder Jahresbeiträge leisten oder einzelne Konzerte finanzieren. Auch Sponsoren sind jederzeit willkommen. Eine weitere Einnahmequelle ist das alljährlich stattfindende Benefizkonzert. Das nächste, am 8. Februar 2009, findet als großes Jubiläumskonzert in der Komödie Winterhuder Fährhaus mit einer Auswahl der besten in den vergangenen zehn Jahren geförderten Musiker statt. 

Freunde und Förderer werden als Dank einmal jährlich zu einem Freundeskonzert gebeten. Beim diesjährigen traten auch Sönke Schreiber und Elizaveta Ilina auf. Beim dritten Stück tauschte der Schlagzeuger sein Marimbaphon gegen ein Tasteninstrument aus: eine alte Schreibmaschine. Das temperamentvolle Stück „The Typewriter" von Leroy Anderson für Klavier und Schreibmaschine begeisterte und amüsierte die Unterstützer von Live Music Now zugleich. Auf ihrer Suche nach einer gelungenen Erweiterung des Repertoires stießen die jungen Musiker darauf. „Bald tippen wir vierhändig," schmunzelt die junge Pianistin.
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